Die Flüchtlinge an den Grenzen

Wenn man die Bilder aus Griechenland sieht, bricht einem das Herz. Dort, an der südöstlichen Grenze Europas, stranden Menschen an den Küsten. Andere Menschen werfen sie zurück ins Meer. Die einen sehen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die anderen sehen sich gezwungen, ihre zu verteidigen.

Dagegen ist Österreich im Zentrum Europas ein Land ohne Außengrenzen. Es ist eines der reichsten Länder der Welt. In Österreich zu leben bedeutet, einem privilegierten Teil der Menschheit anzugehören. Dafür kann man dankbar sein. Und man sollte wissen, dass dies nicht das eigene Verdienst ist. Deshalb können wir uns fragen: Wie können wir uns mit den Armen und Schwachen solidarisieren, ohne selbst arm und schwach zu werden?

Im Herbst 2015 kamen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten in großer Anzahl nach Österreich. Zu jener Zeit spendeten viele von uns einen ansehnlichen Teil ihres Geldes, ihrer Zeit und ihrer Energie und boten ihre Wohnungen als Quartiere an. Diese Erfahrungen haben unser Leben verändert. Es war eine sehr erfüllende Zeit, und wir haben alle viel daraus gelernt.

Politisch gehören die meisten von uns keinem “Lager” an. Wir sind weder “links” noch “rechts”, manchmal sind wir progressiv, manchmal konservativ. Es gibt einige, die Flüchtlinge nach Europa aufnehmen wollen, egal woher. Und es gibt einige, die Flüchtlinge zurückschicken wollen, egal wohin. Die “Linken” träumen davon, die Grenzen zu öffnen, die “Rechten” davon, sie zu schließen. Beide Extreme sind Albträume, weil sie immer die Schwächsten treffen.

Die Geschichte lehrt uns, dass sich die sozialen Bedingungen schnell ändern können. Frieden, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand sind nicht selbstverständlich. Es geht immer um den Ausgleich von Interessen. Doch es gibt auch Menschen mit sicheren Arbeitsplätzen, sicheren Einkommen und sicheren Lebensbedingungen, die andere Menschen missbrauchen, um ihr politisches Spiel zu spielen.

Dieses Spiel wird auf beiden Seiten gespielt, “links” und “rechts”. “Linke” fordern die bedingungslose Aufnahme von Menschen in Österreich, “Rechte” fordern die bedingungslose Abschiebung. Abweichende Meinungen werden nicht mehr toleriert. So treiben “Linke” und “Rechte” Menschen in die Arme von Radikalen.

Sowohl “links” als auch “rechts” liegen daneben. Der Slogan “Öffnet die Grenzen! Wir haben Platz” ist genauso falsch wie “Schließt die Grenzen! Wir haben keinen Platz”. Wir müssen weder Flüchtlinge nach Mitteleuropa transportieren, wie es die “Linken” wollen, noch müssen wir sie in Griechenland alleine lassen, wie es die “Rechten” wollen. Wir haben immer die Möglichkeit, vor Ort zu helfen, direkt an den Grenzen.

Es ist das Merkmal von Grenzen, die Gegensätze zusammenzubringen. Wir können die Flüchtlingskrise stoppen. Das braucht Geld, Zeit und Energie. Vor allem aber ist es wichtig, Frieden zu schaffen. Radikale Slogans verursachen das Gegenteil, sowohl von “links” als auch von “rechts”. Frieden beginnt mit der Versöhnung von Gegensätzen. Frieden beginnt an den Grenzen.

ORF: “Nachbar in Not

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