
Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den strahlend blauen Abendhimmel. Nun war er wieder einmal zurück in Europa, der Mitte seines kleinen Planeten, seinem Zuhause. Gerade war er aus Ecuador zurückgekehrt, dem Land seiner Sehnsucht, dem Westpol dieser Welt. Jetzt wollte er über diese Rückkehr schreiben.
Lange Zeit seines Lebens hatte er mit seinem Schicksal gehadert, über das Horoskop seiner Geburt. Da galt es, Herausforderungen zu meistern, die gar nicht so einfach waren. Insgesamt ging es dabei um die Sehnsucht und deren Erfüllung, den Weg und das Ziel. Alle großen Religionen hatten sich mit diesem schier unlösbaren Problem auseinandergesetzt.
In seiner eigenen Inkarnation stellte sich dies durch verschiedene Konstellationen dar. Insbesondere war er im Nordwesten seiner Stadt zur Zeit des Sonnenuntergangs geboren. Die Sonne, ihrer aller Stern, sein Sternzeichen, stand da bereits tief am Horizont und hatte in vielerlei Hinsicht ihre volle Kraft verloren. Bald würde sie ganz untergegangen sein und es würde Nacht werden.
Diese Stimmung des Untergangs begleitete ihn sein gesamtes Leben hindurch, und darüber war er die längste Zeit betrübt. Doch als er einmal einem Freund davon erzählte, da entgegnete ihm dieser: „Slupetzky, was willst Du? Diese Abendstimmung des Sonnenuntergangs ist die Blaue Stunde! Es ist die allerschönste Zeit des Tages.”
Jetzt also war er wieder am Westpol gewesen und hatte dort seine Freunde und ehemaligen Kollegen getroffen. Er hatte dabei die blutroten Sonnenuntergänge über dem grünen Pazifik gesehen. Auf dem Rückweg befand er sich gerade mitten über dem blauen Atlantik, als auch hier wieder die Sonne unterging. Er blickte durch das kleine Fenster hinaus in den Nordwesten, die Himmelsrichtung seiner Heimat. Als er in jenem Augenblick den blauen Himmel sah, in dem er sich gerade ebenfalls befand, da wusste er im selben Moment: Er hatte sich seine Sehnsucht erfüllt.

Wie der kleine Bär und der kleine Tiger in der Kindergeschichte von Janosch war er in Panama angekommen, in sich selbst. Er hatte zu danken, seinem Gott, dem Lieben, mit allem, was er war. Das war es gewesen, in aller wundervollen Schönheit. Nun durfte es weitergehen, mochte da kommen, was auch immer wollte.
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