Der halbe Karfreitag

Herrn Bundesminister
Mag. Gernot Blümel, MBA
Ballhausplatz 2
AT-1010 Wien

Wien, 26.02.2019

Sehr verehrter Herr Minister, lieber Gernot Blümel!

Heute schreibe ich Ihnen als Regierungskoordinator unserer Bundesregierung, genauer gesagt als halbem Teil unserer Regierungskoordination. Anlässlich der heute zurückgenommenen halben Karfreitagslösung möchte ich Ihnen sehr herzlich zu Ihrer erfolgreichen Arbeit gratulieren.

Vorausgeschickt sei, wie Sie wissen, dass ich Sie als meinen halben Teil der Regierungskoordination ansehe. Auch wenn ich „Die neue Volkspartei – Liste Sebastian Kurz“ nicht gewählt habe, fühle ich mich durch Sie in der Regierungskoordination eher vertreten als durch Ihr Gegenüber, Herrn Ingenieur Norbert Gerwald Hofer. Schließlich bin ich weniger Anhänger der „Sozialen Heimatpartei“ (das erinnert mich zu sehr an die „National-Soziale Partei“), als vielmehr Teil des „Neuen Volkes“ Ihrer Partei. Außerdem sind Sie Minister für Europa, Medien, Kunst und Kanzler – und Herr Ingenieur Norbert Gerwald Hofer nur Autobahnminister. Und ich habe nicht einmal ein Auto – dafür bin ich Europäer.

Es gibt also viele Gründe, warum ich in Bezug auf die Regierungskoordination ganz auf Ihrer Seite stehe. Und damit komme ich zur „Karfreitagslösung“. Mögen andere politische Beobachter diese Lösung als „entsetzlich“, „total misslungen“ oder „Pfusch“ betrachtet haben, ich dagegen war hellauf begeistert.

Wenn Sie als aufrechter Christlich-Sozialer dem stramm protestantisch evangelischen Herrn Ingenieur Norbert Gerwald Hofer eine solche Schwachsinnslösung „reinzudrücken“ imstande waren, dann haben Sie dafür insgesamt meine volle katholische Unterstützung. Mag ein halber Urlaubstag ab Freitag 14:00 Uhr (abgesehen vom bürokratischen Mehraufwand) wirklich NIEMANDEM genützt haben, so war er doch theologisch ZUR GÄNZE gerechtfertigt. Schließlich ist der Protestantismus nur eine HALBE Religion (wenn überhaupt…), und dass sich die Evangelischen von Ihnen in dieser demütigenden Weise über den Verhandlungstisch ziehen haben lassen – das hat nicht einmal die habsburgische Gegenreformation zustande gebracht.

Darüberhinaus war der halbe Feiertag ab 14:00 insofern theologisch wirklich top, da ja auch Jesus selbst an diesem Tag leiden und Blut schwitzen musste, bis er dann um 15:00 Uhr Jerusalemer Zeit („um die Neunte Stunde“) verschied. Mag diese Lösung beim profanen österreichischen Wahlvolk durchgefallen sein, für den biblischen Connoisseur war sie ein spiritueller Hochgenuss.

Wenn es den „Freiheitlichen“ daher, wie befürchtet, langsam gedämmert ist, dass sich ihr Regierungskoordinator Herr Ingenieur Norbert Gerwald Hofer – nach der wahrlich oberpeinlichen Vorführung durch die LKW-Lobby letzte Woche – auch hier als totale Niete entpuppt hat und diese Lösung aufgrund der wirklichen Sinnlosigkeit letztendlich wieder zurückgenommen wurde, so haben Sie zumindest mir damit eine große Freude gemacht.

Jetzt hat der stramm protestantisch evangelische Herr Ingenieur Norbert Gerwald Hofer gar keinen Feiertag mehr.

Mit herzlichem Dank für Ihren „Karfreitagszauber“ verbleibe ich somit

hochachtungsvoll

Ihr

Peter Wurm

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