Der Negativzins

Liebe Beate Meinl-Reisinger!

Mit großer Begeisterung verfolge ich die Politik der NEOS unter Ihrem Vorsitz. Gerade weil ich von Ihren politischen Ansätzen tief beeindruckt bin, möchte ich Ihnen in einem entscheidenden Punkt widersprechen: In Ihrer Wirtschaftspolitik.

(Artikel von Beate Meinl-Reisinger in der “Wiener Zeitung” vom 11.02.2020: https://beatemeinl.com/2020/02/11/fortfuehrung-der-faymannschen-reformverweigerung/ )

Sie schreiben, dass “die Menschen Jahr für Jahr durch die gleiche Niedrigzinspolitik nach und nach enteignet werden. Weil ihr erspartes Geld – wenn das überhaupt gelungen ist – immer weniger wert wird.” Während Sie dieses Faktum in höchstem Maße bedauern, halte ich es in demselben Ausmaß für einen Segen.

Woher kommt unser Geld? Unser Geld kommt immer von Anderen. Je mehr wir anderen wegnehmen, umso reicher werden wir. Wenn sich dieses “erarbeitete” Geld dann auch noch durch den Zins von selbst vermehrt, dann werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Das mag für die reichsten Erdenbürger ein bequemer Vorteil sein, für alle anderen Menschen auf diesem Planeten ist dieses Krebsgeschwür des Zinseszinses eine teuflische Qual.

Jetzt verstehe ich schon, dass sich NEOS als liberale Partei den “Wirtschaftsliberalismus” auf die Fahnen geheftet hat. Dann müssen Sie den “freien Markt” jedoch auch akzeptieren, wenn er Ihnen gerade nicht passt: Seit 2011 haben wir negative Zinssätze auf dem Kapitalmarkt. Die Notenbanken sind dieser Entwicklung kurz darauf nur gefolgt. Die Europäische Zentralbank hat unter Mario Draghi dadurch unter anderem den Euro, die Eurozone, die Europäische Union und damit nebenbei das Friedensprojekt Europa gerettet.

Es gäbe viel dazu zu sagen, über den Ausgleich zwischen Ost und West, Nord und Süd, über ungarische Zahnärzte und Schweizer Banker, über Deutsche Automobile und griechische Strände, über die Abholzung der Regenwälder und die Überhitzung der Erde. Kurz gesagt bedeutet der Negativzins: Wir haben inzwischen ZUVIEL Geld – und zuwenig Ressourcen dafür.

Der Negativzins ist ein Segen: Das Vermögen wird umverteilt, von Reich zu Arm, von den Wenigen zu uns Allen, von den Großeltern zu den Enkelkindern. Das mag Manchen nicht gefallen, doch es ist so. Gott sei Dank.

LG PW

P.S.: Dies alles soll Sebastian Kurz jedoch nicht abhalten, ordentlich zu “reformieren”. Wobei dabei eine “Schuldenbremse” wohl die dümmste aller Reformen wäre. Sowohl das berühmte “Milchmädchen” als auch die “schwäbische Hausfrau” können sich leicht ausrechnen, was ein Negativzins für die Staatsschulden nur bedeuten kann…

P.P.S.: Der Profit des Einen ist der Verlust von allen:

https://peterwurm.blog/2013/05/08/der-profit-des-einen-ist-der-verlust-von-allen/

The secret of money:

https://peterwurm.blog/2019/10/30/the-secret-of-money/

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