wir ertrinken in geld

herrn
christian ortner
singerstraße 2
at-1010 wien

wien, 30.08.2019

sehr geehrter herr ortner!

„intelligenz schützt bekanntlich nicht davor, gelegentlich unsinn abzusondern“, schreiben sie zu beginn ihrer heutigen kolumne in der „presse“. „obwohl die welt in schulden zu ertrinken droht, fordert der berühmte wirtschaftsexperte paul krugman noch mehr staatsschulden“, steht noch davor als aufmacher.

„obwohl die welt in schulden zu ertrinken droht…“ lieber christian ortner, „die welt“ kann gar nicht in schulden ertrinken. jede schuld des einen ist immer die forderung eines anderen. wenn sie schon die volkswirtschaft in ihren „gastherme versus skiurlaub“ milchmädchen-rechnungen mit einem privathaushalt vergleichen, dann wenigstens konsequent: die verschuldung eines staates ist immer die forderung eines privaten.

jetzt stellt sich nur die frage, wer die (wenigen) privaten sind, bei denen wir alle bis zum „ertrinken“ verschuldet sind. wir werden es nie erfahren. es ist auch im detail irrelevant. wichtig ist einzig, wie wir aus dieser „ertrinkenden“ situation wieder herauskommen. und da hat krugman völlig recht: noch mehr schulden, auf teufel komm‘ raus.

in einer situation des negativzinses werden endlich jene zur kassa gebeten, die zuviel geld haben. das sind jene privaten, die soviel geld besitzen, dass sie es anderen zu einem hohen preis, dem zins, zur verfügung stellen können. in dem moment, in dem dieser preis negativ wird, verdienen endlich nicht mehr jene wenigen am handel mit geld, die zuviel davon haben, sondern endlich jene, die es wirklich dringend brauchen. das sind wir alle, unsere staaten.

in einer situation des negativzinses wird endlich der „ertrinkende“ gerettet, während dem dafür verantwortlichen endlich das wasser abgegraben wird. in einer situation des negativzinses verlieren endlich jene wenigen, die zuviel geld besitzen. voraussetzung ist einzig, dass wir alle weiterhin schulden machen und dafür auch mit geld belohnt werden. wir alle können somit unsere schulden bei einigen wenigen zurückzahlen, indem wir bei ihnen neue schulden machen.

lieber herr ortner, sie bekennen sich zum „neoliberalismus“. wenn das so ist, dann müssen sie auch so konsequent sein, zu akzeptieren, dass der preis des geldes, der zins, durch den freien markt seit der „finanzkrise“ negativ bewertet wird. es mag ihnen unsympathisch sein, aber endlich gewinnen jene menschen, die zu wenig geld besitzen: wir alle.

dass dieses weltweite geschäft nun endlich auf kosten einiger weniger privater geht, mag menschen wie sie zutiefst schmerzen. aber das ist leider die ultimative konsequenz des von ihnen geliebten neoliberalismus: endlich werden die geldbesitzer zur kasse gebeten. die „unsichtbare hand“ des marktes hat sich damit letztendlich auch hier als gerecht erwiesen. danke!

neoliberale grüße

peter wurm

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