Die Vergewaltigung durch die Kirche

Hwst. Herrn Erzbischof
Kardinal Dr. Christoph Schönborn
Erzbischöfliches Palais
Wollzeile 2
AT-1010 Wien

Wien, 14.02.2019

Sehr verehrter Herr Kardinal, lieber Christoph Schönborn!

Sie wissen, dass ich Ihnen – wie so viele innerhalb und außerhalb der Kirche – für Ihren Einsatz im Dienst der Aufklärung außerordentlich dankbar bin. Ihr öffentliches Gespräch mit der deutschen Nonne Doris Wagner über ihre Vergewaltigung durch einen Priester empfinde ich dabei als wohltuenden Höhepunkt in dieser Leidensgeschichte. (https://youtu.be/PfF_ArkQzFY)

Jetzt wissen wir Beide, dass es sich beim sexuellen Missbrauch in der Kirche nicht um ein zufälliges Thema handelt, sondern dass Gewalt und Vergewaltigung, wie Sie es im Gespräch auch sagen, im kirchlichen System begründet sind. Doch es reicht nicht, dabei stehenzubleiben und zu meinen, die hierarchische Struktur der Kirche würde Gewalt und Vergewaltigung mit sich bringen. Nein. Konsequenterweise müssen wir dabei die ganze Wahrheit sagen: Gewalt und Vergewaltigung sind nicht ein kirchenrechtliches Problem, sondern in Wirklichkeit Teil der Christlichen Theologie.

Sie wissen, dass ich die Römisch-Katholische Kirche im Jahr 2004 beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angezeigt habe, weil sie Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Frauen sind in der Kirche bis heute Menschen zweiter Klasse. Wie Sie wissen, habe ich Sie damals als meinen Zeugen benannt. Das Verfahren ist bis heute nicht entschieden.

Das Problem der Gewalt und Vergewaltigung in der Kirche hat jedoch noch eine zweite Seite: Es geht nicht nur um den Missbrauch an Frauen, es geht auch um die Tabuisierung von Sexualität. Und diese gewaltsame Tabuisierung von Sexualität ist theologisch begründet. (“Die Vergewaltigung Mariens” https://www.atheisten-info.at/downloads/Die_Vergewaltigung_Mariens.pdf)

Es reicht also nicht, dass wir den Missbrauchsopfern zuhören. Es reicht also nicht, dass wir den Missbrauchsopfern glauben. Es reicht also nicht, dass wir die Missbrauchsopfer entschädigen.

Es reicht auch nicht, dass Frauen gleichberechtigt werden. Es reicht auch nicht, dass Frauen Priesterinnen werden dürfen. Es reicht auch nicht, dass eine Frau der nächste Papst wird. Wir müssen das gesamte Evangelium neu lesen:

“Der Name der Jungfrau war Maria” (Lukas 1,27):

“Das junge Mädchen fürchtete sich zu Tode, bis es die Engel singen hörte. Der Vater aber sagte zu ihr: ‘Du brauchst Dich nicht zu fürchten, Maria!’ So wurde sie schwanger.” (Lukas 1,29-31)

Die “Zeugung durch den Heiligen Geist” war eine Vergewaltigung. Und der Vater des Jesus war der Vater Mariens.

Eminenz, Sie WISSEN das. Sprechen Sie es aus!

(Joh 8,32)

In Liebe

Peter Wurm

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