Tag 136

Auf dem gestrigen Sondergipfel einigten sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf den deutsch-französischen Kompromissvorschlag. Griechenland erhält weitere 109 Milliarden Euro als Zahlungshilfe, private Investoren beteiligen sich mit ungefähr 50 Milliarden Euro durch einen Umtausch von Anleihen. Das Faktum der privaten Beteiligung provoziert das Rating eines “zeitweisen Zahlungsausfalls”, was die Politiker nicht daran hinderte, diesen Schritt zu setzen. Meiner Ansicht nach ist das gestrige Ergebnis das Maximum, das die europäische Politik zur Zeit zu leisten vermag, es ist ein klares Zeichen, dass kein Land von den anderen fallengelassen wird. Dementsprechend erleichtert reagieren heute die Finanzmärkte, während die Ratingagentur Fitch den “teilweisen Zahlungsausfall” für griechische Anleihen erklärt.

Ich halte die gestrige Einigung im Grunde für sehr gelungen, sie ist ein klares Bekenntnis dazu, was geht und was nicht geht. Und während bisher ein Zahlungsausfall eines europäischen Landes ausgeschlossen schien, ist er seit gestern ein anerkanntes Faktum. Das Tabu, dass ein europäisches Land nicht alle Schulden zurückzahlen muss, ist seit gestern gebrochen. So sehr ich daher den gestrigen Schritt politisch begrüße, glaube ich dennoch nicht, dass das Problem langfristig gelöst ist. Ich erwarte, dass schon ab der nächsten Woche die Finanzmärkte weiter gegen ausgewählte europäische Staaten vorgehen werden, namentlich gegen Italien und Spanien. Das Aufatmen nach der gestrigen Einigung wird nur von kurzer Dauer sein. ORF-Online fasst es heute in seiner Überschrift wie folgt zusammen: “Trotz Krisenpakets: Analysten geben keine Entwarnung.”

 

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