Wien. Das Herz Europas

„Heiß umfehdet, wild umstritten, liegst dem Erdteil Du inmitten…”

(Österreichische Bundeshymne, 2. Strophe)

Europa

Wien

Wien im Vergleich zu Europa: Das Süd-Ost-Gefälle

Der österreichische Kaiserliche Staatskanzler Klemens von Metternich soll einmal gemeint haben: „Am Rennweg beginnt der Balkan.” Für alle Nicht-Wiener muss man hinzufügen: Der „Rennweg” ist eine bekannte Wiener Straße im Südosten der Innenstadt, in dessen Umgebung sich eines der Botschaftsviertel Wiens und das Schloss Belvedere des Prinzen Eugen befinden. An dieser Ausfahrtstraße Richtung Südosten, Richtung Balkan, hatte Metternich selbst sein Palais. Heute ist in seiner ehemaligen Residenz die italienische Botschaft untergebracht.

Von Slavoj Žižek, dem slowenischen Philosophen, gibt es einen kurzen Vortrag über den Balkan. Dieses „Pulverfass Europas” mit seinem Völkergemisch im Südosten Europas wird im Nordwesten unseres kleinen Kontinents als der Inbegriff für Chaos betrachtet. Kurz gesagt ist Žižeks Pointe die, dass jedes Land Europas seinen eigenen Südosten als „Balkan” ansieht; angefangen von Serbien und Kroatien, über Slowenien, Österreich, Deutschland, bis nach Frankreich und Benelux – und von dort nach Großbritannien, für das der gesamte „Kontinent” einem einzigen balkanischen Chaos gleichkommt.

Wo ist der Balkan?

Wer in Wien lebt, der weiß, dass unsere Heimatstadt im Zentrum Europas genauso aufgebaut ist wie unser gesamter Kontinent. Während im Nordwesten die reichen Gebiete – am Rande des Wienerwaldes – vorzufinden sind, befinden sich im Südosten die ärmeren Bezirke – einschließlich der Entsorgungsbetriebe, dem riesigen Zentralfriedhof und dem winzigen „Friedhof der Namenlosen”. Vom Zentralfriedhof, der von Wolfgang Ambros lokalpatriotisch besungen wird, heißt es, er wäre zwar nur halb so groß wie Zürich, aber dafür doppelt so lustig. „Der Tod, das muss ein Wiener sein,” lautet das dazugehörige Sprichwort über den morbiden Charme unserer Stadt.

Es lebe der Zentralfriedhof

Kurz und gut: Wien ist prinzipiell ganz genauso aufgebaut wie Europa. Selbst die schöne blaue Donau, die unser „Walzerkönig” Johann Strauß weltberühmt vertont hat, fließt durch Wien Richtung Südosten – und von hier aus bis zu ihrer Mündung ins Schwarze Meer. Aus dieser geographischen Position heraus finden es die meisten Wiener überhaupt nicht notwendig, jemals über den Tellerrand ihrer Heimat hinauszublicken. Dieser unangenehme Nachteil dieser Stadt wird von einem großen Vorteil für alle Welt wieder gutgemacht: Wer die Charakteristik Europas erleben will, mit all seinen Schönheiten und Fürchterlichkeiten, der komme einfach nach Wien!

An der schönen blauen Donau

Wien wurde über viele Jahre hinweg in weltweiten Umfragen zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. Gleichzeitig ist Wien jedoch laut dieser Umfragen auch die unfreundlichste Großstadt der Erde. Die große Qualität eines Wien-Besuchs besteht darin, dass man unsere Stadt auch wieder verlassen kann, sollte man von der Unfreundlichkeit seiner Bewohner genug haben. Das „Goldene Wienerherz” ist zwar gülden schimmernd, aber doch aus hartem Metall.

Wer hingegen die hohe Lebensqualität dieses Herzens Europas, insbesondere die hervorragende Qualität von Wasser und Brot, nicht missen möchte, der landet irgendwann auf einem seiner unzähligen Friedhöfe. Ob man dann in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof oder in einem Armengrab auf dem Friedhof der Namenlosen beigesetzt wird, entscheidet letzten Endes das Schicksal. Wie alles in Wien…

Wenn der Herrgott nicht will…

peterwurm.wordpress.com

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