Coronavirus: Die ersten Ergebnisse

Vor einigen Wochen gab die österreichische Regierung eine Studie am Wiener SORA-Institut in Auftrag. SORA ist ein Institut für Sozialforschung und bekannt für seine präzisen Hochrechnungen an den österreichischen Wahltagen. Daher bestellte das Forschungsministerium eine Studie, um zu berechnen, wie viele Fälle von COVID-19 es in Österreich schätzungsweise gibt.

SORA hat eine repräsentative Stichprobe von etwa 2.000 Personen in Österreich (genau 1.544) genommen, um eine Prognose der geschätzten COVID-19-Fälle in Österreich am 6. April 2020 zu berechnen. Gestern wurden die Ergebnisse in einer Pressekonferenz veröffentlicht.

Um es kurz zu machen: Vor einigen Tagen gab es in Österreich schätzungsweise 28.000 Infizierte (plus die Kranken in den Krankenhäusern und Intensivstationen). Die Reichweite liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zwischen höchstens 67.000 und mindestens 10.000 Infizierten. Die höchstmögliche Zahl von 67.000 liegt immer noch unter 1% der Bevölkerung.

28.000 Infizierte sind derzeit die wahrscheinlichste Zahl in Österreich. Dies bedeutet, dass 0,33% der Menschen COVID-19-positiv sind. Diese Zahl ist fast genau doppelt so hoch wie die Testergebnisse (einschließlich der Genesenen). Dies bedeutet, dass die offiziellen Ergebnisse in Österreich höchstwahrscheinlich etwa 50% der geschätzten Ergebnisse betragen.

Was bedeutet das für die Behandlung von COVID-19? Werfen wir einen Blick auf die Grafiken:

Nicht erfasst: 54,44%
Krank: 19,64%
Im Spital: 3,49%
In Intensivbetreuung: 0,88%
Genesen: 20,48%
Tot: 1,08%

Der „Real Case“ ist der wahrscheinlichste Fall. Wie gesagt, werden dabei die wirklichen Fälle doppelt so hoch geschätzt wie die bisher positiv getesteten Fälle. Bei dieser Annahme brauchen fast 5% der Kranken einen Krankenhausaufenthalt, fast 1% auf der Intensivstation. Mehr als 20% der Infizierten sind bereits wieder genesen. Die Sterblichkeitsrate CFR beträgt in diesem Fall 1,08%.

Die höchstmögliche Anzahl infizierter Menschen in Österreich beträgt 67.000 (außerhalb der Krankenhäuser). Eine darüber hinausgehende Zahl ist statistisch nicht möglich. Ich nenne diesen Fall die “Worst Case TIME”, den “Schlimmsten Fall auf die Zeit bezogen”:

Nicht erfasst: 80,34%
Krank: 8,48%
Im Spital: 1,50%
In Intensivbetreuung: 0,38%
Genesen: 8,84%
Tot: 0,46%

Warum nenne ich diese Annahme den “Worst Case TIME”? Es ist ganz einfach: Wenn circa 80% der Infizierten unbekannt sind, können die Einschränkungen nicht aufgehoben werden, ohne viele weitere Fälle zu riskieren. Die Einschränkungen wären also viel länger notwendig. Darüber hinaus ist die Anzahl der Menschen, die bereits genesen sind, weniger als 10%. Die Sterblichkeitsrate CFR würde mit den Einschränkungen etwa 0,5% betragen. Ohne Einschränkungen würden die Intensivstationen schnell an ihre Grenzen stoßen und die Sterblichkeitsrate steigen.

Die niedrigstmöglichen Fälle in dieser Studie nenne ich den “Worst Case DEAD”, den “Schlimmsten Fall auf die Toten bezogen”:

Nicht erfasst: 23,67%
Krank: 32,90%
Im Spital: 5,84%
In Intensivbetreuung: 1,48%
Genesen: 34,31%
Tot: 1,80%

Es ist offensichtlich, warum dies der „Worst Case DEAD“ ist. Wenn wir keine nicht erfassten Fälle haben, würde die Sterblichkeitsrate CFR in Österreich bei 1,80% liegen. Diese Sterblichkeitsrate ist auch unter den Umständen von Einschränkungen gegeben und überschreitet nicht die Grenzen der Kapazität von Krankenhäusern und Intensivstationen.

Das ist also der Maßstab: Da wir wissen, dass innerhalb von zwei Jahren bis zu 70% der Bevölkerung von einer Pandemie betroffen sind, würde eine Sterblichkeitsrate von 1,80% etwa 100.000 Tote bedeuten (statisch berechnet 111.623 bei einer Bevölkerung von 8,859 Millionen Einwohnern). Die Kunst der Politik wird es sein, das System unter dieser Zahl zu halten.

Statistiken können unglaublich grausam sein.

P.S.: In einer früheren Berechnung bin ich auf geringfügig andere Ergebnisse gekommen, da ich die Infizierten in den Krankenhäusern in die Grundgesamtheit der Studie einberechnet hatte.

Darüber hinaus bin ich mir bewusst, dass die offizielle Zahl der Toten jene Menschen sind, die bei ihrem Tod positiv auf COVID-19 getestet wurden. Das bedeutet, diese Menschen könnten auch an einer anderen unmittelbaren Todesursache verstorben sein oder an Nebenwirkungen von COVID-19.

Ich habe diese Berechnung dennoch veröffentlicht, weil es mir um Größenordnungen geht und dies die genauesten Zahlen sind, die uns zur Zeit zur Verfügung stehen.

Meine Schlussfolgerung, dass im schlimmsten Fall ungefähr 100.000 Menschen in Österreich im Zuge der Pandemie sterben könnten, bleibt davon unberührt. Eine darüber hinaus gehende Zahl von Toten wäre meiner Ansicht daher aus heutiger Sicht (grob) fahrlässig.

Die Zahlen der Berechnung stammen vom Österreichischen Sozialministerium vom 10. April 2020.

One thought on “Coronavirus: Die ersten Ergebnisse

  1. In einer früheren Berechnung bin ich auf geringfügig andere Ergebnisse gekommen, da ich die Infizierten in den Krankenhäusern in die Grundgesamtheit einberechnet hatte. Darüber hinaus bin ich mir bewusst, dass die offizielle Zahl der Toten jene Menschen sind, die bei ihrem Tod positiv auf COVID-19 getestet wurden. Das bedeutet, diese Menschen könnten auch an einer anderen unmittelbaren Todesursache verstorben sein oder an Nebenwirkungen von COVID-19. Ich habe diese Berechnung dennoch veröffentlicht, weil es mir um Größenordnungen geht und dies die genauesten Zahlen sind die uns zur Zeit zur Verfügung stehen. Meine Schlussfolgerung, dass im schlimmsten Fall ungefähr 100.000 Menschen in Österreich im Zuge der Pandemie sterben könnten, bleibt davon unberührt. Eine darüber hinaus gehende Zahl von Toten wäre meiner Ansicht daher aus heutiger Sicht (grob) fahrlässig.

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