“Der Westen gewinnt…”

“Der Westen gewinnt, und wir gewinnen gemeinsam”, sagte US-Außenminister Mike Pompeo auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Diese Konferenz, der jährliche Höhepunkt der weltweiten Sicherheitspolitik, steht heuer unter dem Motto “Westlessness”.

Jetzt kann man von der Politik der USA unter Donald Trump und der Volksrepublik China unter Xi Jinping halten, was man will. Das grundlegende Problem der Weltpolitik liegt viel tiefer: Kein Mensch weiß, was “Ost” und “West” auf der Welt genau bedeutet. Und so reden seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation alle aneinander vorbei.

Die Fakten sind denkbar einfach: Die Erde ist eine Kugel, genau gesagt ein Ellipsoid. Diese Kugel dreht sich um sich selbst, exakt nach “Osten”. Dadurch hat die Erde einen geographischen “Nordpol” und einen geographischen “Südpol.” Wie jedes Kind inzwischen weiß, kann man die Erde deswegen in zwei Teile teilen, in die “Nordhalbkugel” und die “Südhalbkugel”. Dieser “Norden” und “Süden” der Welt werden in der Mitte durch den Äquator getrennt.

Jeder Mensch, der schon einmal einen Globus, dieses Modell unserer Erde als Kugel, gesehen hat, kennt den Nordpol, den Südpol, die Nordhalbkugel, die Südhalbkugel und den Äquator. Nur die wenigsten Menschen wissen, dass es nicht nur einen Nordpol und einen Südpol gibt, sondern selbstverständlich auch einen Ostpol und einen Westpol. Man kann die Erde daher geographisch nicht nur in eine Nordhalbkugel und eine Südhalbkugel, sondern selbstverständlich auch in eine Osthalbkugel und eine Westhalbkugel teilen. Es gibt selbstverständlich VIER Himmelsrichtungen. Und daher gibt es auch einen Norden, einen Süden, einen Osten und einen Westen der Erde.

Jeder Mensch kennt den Äquator, der den Norden und den Süden der Erde unterteilt. Die wenigsten Menschen kennen den Äquator, der den Osten und den Westen der Erde unterteilt. Jeder Mensch kennt den geographischen Nordpol und Südpol der Erde. Die wenigsten Menschen kennen den geographischen Ostpol und Westpol der Erde. Jeder Mensch weiß, dass sich der geographische Nordpol in der “Arktis” befindet und der geographische Südpol in der “Antarktis”. Die wenigsten Menschen wissen, dass sich der geographische Ostpol bei Singapur befindet und der geographische Westpol bei Quito in Ecuador. Jeder Mensch weiß, dass sich der Nordpol auf der nördlichen Breite von 90° befindet und der Südpol auf der südlichen Breite von 90°. Die wenigsten Menschen wissen, dass sich der Ostpol auf der östlichen Länge von 102,4922° befindet und der Westpol auf der westlichen Länge von 77,5078°.

Es gibt einen “Norden” und “Süden” der Erde. Und es gibt einen “Osten” und “Westen”. Es gibt selbstverständlich eine Nordhalbkugel und eine Südhalbkugel. Und es gibt ebenso selbstverständlich eine Osthalbkugel und Westhalbkugel. Es gibt selbstverständlich einen “Äquator” zwischen Nord und Süd. Und es gibt selbstverständlich einen “Äquator” zwischen Ost und West. Der Äquator zwischen Nord und Süd verläuft von Indonesien (0° südlicher Breite) bis Ecuador (0° nördlicher Breite), der Äquator zwischen Ost und West verläuft von Gabun (12,4922° östlicher Länge) bis zum Mittelpunkt des Pazifik (167,5078° westlicher Länge).

Damit beginnt die Analyse, was das für unsere Zivilisation bedeutet: Während es sich in der Geographie inzwischen als plausibel erwiesen hat, dass sich der Norden in der Darstellung “oben” befindet, kämpfen der Osten und der Westen bis zum heutigen Tag um diese Deutungshoheit. Ein Blick auf die Fakten kann dabei behilflich sein:

Wie die Geschichte bewiesen hat, verhalten sich “Osten” und “Westen” zueinander wie “Yin” und “Yang”. Die beiden Teile sind daher komplementäre Teile des gleichen Ganzen. Das “Yang” des Westens kann mit der linken Gehirnhälfte des Globus, das “Yin” des Ostens mit der rechten Gehirnhälfte des Globus gleichgesetzt werden. Das “Yang” steht daher grundsätzlich für den analytischen Anteil, das “Yin” grundsätzlich für den synthetischen Anteil. Man kann daraus folgern, dass das “Yang” den individuellen Teil und das “Yin” den kollektiven Teil der Welt darstellt.

Was folgt daraus politisch? Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen für den Westen, das “Yang” unserer Erde, die Volksrepublik China stehen für den Osten, das “Yin” unserer Erde. Amerika ist tendentiell analyisch und individuell, China tendentiell synthetisch und kollektiv. Beide bedingen einander, stehen gegensätzlich und gleichberechtigt zusammen, verschieden und doch gleich, vereinigt in ihren Unterschieden. Keine Hälfte ist ohne die andere denkbar.

Was bedeutet dies alles für Europa? Europa liegt im Zentrum des Nordens, zu annähernd gleichen Teilen im Osten wie im Westen der Erdkugel. Da der Äquator von Gabun über den Nordpol und den Südpol verläuft, zieht er auf der Nordhalbkugel mitten durch Europa. Dies geschieht auf dem Meridian 12,4922° Ost, somit auf dem Längengrad von Tripolis bis Kopenhagen. Ein Teil Europas liegt im Westen davon, der andere Teil im Osten. Europa liegt daher sowohl in der westlichen, als auch in der östlichen Hemisphäre. Paris, Brüssel und Bonn liegen im Westen, Berlin, Warschau und Budapest liegen im Osten der Welt, Rom genau (Venedig, Kitzbühel und Wittenberg nahezu genau) auf dem Äquator.

Dies sind die Grundlagen der Geographie. Möge die Politik kluge Schlüsse daraus ziehen.

Siehe auch:

Der Untergang “Europas”:

https://peterwurm.blog/2018/06/28/der-untergang-europas/

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