Das grüne Missverständnis

Anlässlich der grünen Hofübergabe von Alexander van der Bellen an Eva Glawischnig denke ich ganz grundsätzlich über die Grünen nach. Gerade eben hatte ich ein kleines Gespräch mit meinen beiden Kindern über die vergangene Wahl. Sie wissen natürlich, dass ich für die Grünen kandidiert habe und so sprachen wir über die verschiedenen Parteien. „Die Vornehmen wie die Oma wählen ÖVP, die Arbeiter wie der Opa wählen SPÖ. Die Studenten wählen die Grünen und die, die Ausländer raus haben wollen, wählen die FPÖ.“ So sehen es meine 10- und 9-jährigen Kinder. „Aber, Papa, bitte, sag den Grünen, dass nicht alle Ausländer rein sollen. Ich will nicht Ausländer raus, aber ich will auch nicht Ausländer rein. Ich will es so, wie es ist.“

Ich bin sehr dankbar für meine Kinder. Ich halte sie für überaus intelligent und sensibel. Ich habe mich seit ihrer Zeugung bemüht, immer auf sie zu hören. Kinder haben immer recht. Und so denke ich gerade darüber nach, was ich aus dieser politischen Diskussion lernen kann. Meine Kinder besuch(t)en eine Ganztagsvolksschule in Wien mit hohem Ausländeranteil. Die beste Freundin meiner Tochter stammt aus Kolumbien, der beste Freund meines Sohnes aus Italien. Sie haben türkische, ungarische, chinesische und österreichische SchulfreundInnen. Sie verköpern genau die kulturelle Offenheit, die ich mir als Vater wünsche. Und so verstehe ich auch die gerade geführte Diskussion als politischen Auftrag, unsere Gesellschaft nach den Wünschen meiner Kinder zu gestalten.

Also, liebe Grüne: Wir machen auch hier einen grundsätzlichen Fehler. Wir argumentieren vernünftig und moralisch eiskalt. Der typische Grüne (wie ich ihn mir vorstelle) würde meinen Kindern vernünftig antworten: „Schaut, liebe Kinder, Österreich ist ein Einwanderungsland…“ Und kommuniziert  gleichzeitig moralisch unterschwellig: „Du musst die Ausländer lieb haben.“

Kein Wunder, dass wir so unattraktiv sind. Wir sind politisch so wie das Fräulein Rottenmeier aus „Heidi“. Wir wissen besser und belehren. Und dann wundern wir uns, dass 90 Prozent des Landes auf uns pfeifen.

Also, liebe Grüne! Weg mit eurem überheblichen Moralix! In dieser Form wenden sich langfristig alle von uns ab. Liebe Eva Glawischnig, es wird Zeit, unser Übel an der Wurzel zu packen. Hören wir endlich auf unsere Kinder. Und reden wir so, dass unsere Kinder uns auch verstehen. Nehmen wir Sorgen und Ängste endlich ernst, und zwar die der anderen und nicht immer nur unsere eigenen. Zeigen wir endlich, dass wir in aller Demut die Angst und die Wut der Anderen wahrnehmen. Es darf ja nicht wahr sein, dass wir uns beispielsweise einbilden, die ideale Frauenpolitik zu machen – und dann wählen mehr Frauen das BZÖ als uns. Und doppelt (!) so viele Junge die FPÖ.

Runter vom hohen Ross! Ab auf die Augenhöhe mit uns Menschen. Nur so werden wir das werden, was wir uns verdienen: Die langfristig stärkste Partei in diesem Land.

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