Das Spiel der Hyänen

Es war einmal eine Horde von Hyänen, die in einem kleinen Tal lebte. Bei Sonnenaufgang hatte diese Horde ein neues Spiel erfunden: Jede Hyäne, die ihre Zeit verkaufte, wurde dafür mit Punkten belohnt. Diese Punkte nannten die Hyänen “Geld”.

Die einzige Bedingung bei diesem Spiel war, keine Zeit mehr für die anderen Hyänen zu haben. Die Hyänen mussten dafür ihre Höhlen und ihre Familien verlassen. Statt dessen hatten sie die Zeit mit anderen Hyänen zu verbringen, die sie nicht kannten. Diese verkaufte Zeit nannten die Hyänen “Arbeit”.

Die Anzahl der dabei gewonnenen Punkte richtete sich nach der Nutzlosigkeit dieser “Arbeit”. Je geringer der Nutzen für die anderen Hyänen war, umso mehr Punkte konnte man gewinnen. Diese Anzahl der gewonnenen Punkte nannten die Hyänen “Verdienst”.

Am meisten Punkte konnte man “verdienen”, wenn keine einzige Hyäne einen Nutzen aus dieser Beschäftigung zog. Wenn man durch diese “Arbeit” den anderen Hyänen sogar schaden konnte, gab es Zusatzpunkte. Diese Zusatzpunkte nannten die Hyänen “Bonus”.

Weil die Hyänen neidig waren, wurde die Anzahl der gewonnenen Punkte geheim gehalten. Zu diesem Zweck wurden die Punkte in Speichern gesammelt, die niemand anderer sehen durfte. Diese unsichtbaren Speicher nannten die Hyänen “Konten”.

So konnte man die Hyänen den ganzen Tag dabei beobachten, wie sie einander versteckte Fallen stellten, einander das Wasser abgruben und einander die Beute vor der Nase wegschnappten. Voller Eifer waren die Hyänen dabei, ihre Umgebung zu verwüsten und ihre Lebensgrundlage zu zerstören.

Immer mehr Hyänen nahmen an diesem Spiel teil, die meisten bis zur völligen Erschöpfung. Jede Hyäne arbeite einzig für sich, keine hatte mehr Zeit für die anderen. Das Tal begann vor aller Augen zu veröden, doch die Hyänen nahmen es nicht wahr. Dafür wuchsen die Geldkonten, obwohl sie niemand sehen konnte.

Als die Sonne unterging, war das Tal verwüstet, das Wasser vergiftet und der Himmel verdunkelt. Als die Sonne wieder aufging, waren alle Hyänen verendet. Die Geldkonten jedoch lebten fröhlich weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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