Der Mensch ist ein Trottel

Wissen Sie, Anton Pawlowitsch, in der Wirtschaft kennen wir das sogenannte Aggregationsproblem: Was für einen Einzelnen gilt und gut ist, muss nicht für Alle gelten und gut sein.

Stellen Sie sich zum Beispiel ein Fußballstadion mit 80.000 Sitzplätzen vor. Jeder Zuschauer sitzt und hat eine gute Sicht auf das Spielfeld. Wenn nun der erste Zuschauer aufsteht, um besser zu sehen, dann mag das für ihn gut und gültig sein. Alle anderen Zuschauer hinter ihm sehen dadurch schlechter. Sie müssen nun ebenfalls aufstehen, um wieder gut sehen zu können. Wenn sie das tun, dann gilt für alle Zuschauer hinter ihnen dasselbe. Letztendlich müssen alle 80.000 Zuschauer aufstehen, um wieder so gut sehen zu können wie zuvor.

Ein besonders kluger Zuseher kommt nun auf die Idee, sich auf seinen Sitz zu stellen, um noch besser sehen zu können. Alle Zuseher hinter ihm müssen nun dasselbe tun, um überhaupt sehen zu können. Am Ende stehen 80.000 Zuschauer auf ihren Sitzen. Wenn sie das Stadion verlassen haben werden, wird niemand besser gesehen haben als am Anfang. Dafür jedoch hat jeder stehen müssen, zum zusätzlichen Preis, alle Sitze reinigen zu müssen.

Vor 500 Jahren kamen wir Menschen zu Beginn der Neuzeit auf dieselbe Idee. Wenn wir alle aufstehen würden, um unseren “Berufen” nachzugehen, dann hätten wir alle durch diese “Arbeit” dieselbe Aussicht auf das Spiel wie die privillegierten Adeligen und Priester auf ihren erhöhten Sitzplätzen in der ersten Reihe. Als dann vor 250 Jahren jeder endlich aufgestanden war, kamen manche in der industriellen Revolution auf die Idee, noch härter zu “arbeiten”, um eine noch bessere Aussicht auf das Spiel zu bekommen. So strengten wir uns alle noch mehr an und nahmen jede Last auf uns, um uns auf unsere Sitze zu stellen. Wer das nicht tat, hatte keine Aussicht auf das Spiel mehr.

Heute, 500 Jahre nach Beginn der Neuzeit und 250 Jahre nach Beginn der industriellen Revolution beginnen wir unsere Situation zu erkennen. Wir alle haben uns unglaublich hart angestrengt, um unsere Positionen zu erreichen, und sehen doch nicht besser als zuvor. Ganz im Gegenteil werden wir alle langsam müde, ohne Aussicht auf irgendeine Verbesserung der Lage. Wie sehr wir uns auch anstrengen, wir werden keine bessere Aussicht auf das Spiel bekommen. Und wenn wir unsere Plätze verlassen werden, dann werden wir ein völlig verdrecktes Stadion hinterlassen haben.

Die einzige Lösung besteht darin, von seinem Sitz herunter zu steigen, den eigenen Platz zu säubern und sich wieder hinzusetzen. Der Preis ist hoch. Es gibt keine Aussicht auf dieses Spiel mehr. Die Zuschauer rundherum halten Sie für verrückt, asozial und faul. Sie werden ein Fremder und Außenseiter. Sie sind nicht mehr Teil des gesamten Spiels. Aber vielleicht gibt es ein paar, die Sie verstehen.

Ich danke Ihnen, Anton Pawlowitsch, dass Sie mir zugehört haben. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht!

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