“Die Leute” (die “Kirche”)

Artikel für den „Zusammenhang“, die Zeitung der Caritasgemeinde Wien:

Gerade sitze ich in meiner kleinen Küche, lese den letzten “Zusammenhang” und entdecke das Thema des nächsten: “Da warf er seinen Mantel weg…” (Mk 10,50)

Ja, denke ich mir, dazu schreibe ich etwas. Was wird das wohl für eine Bibelstelle sein? Sicherlich eine von jenen, in denen jemand “alles liegen und stehen lässt”, um Jesus nachzufolgen.

Ja, und so ist es dann auch. Es ist die Geschichte des “blinden Bettlers” Bartimäus aus Jericho, der von Jesus von seiner Blindheit geheilt wird. Es ist eine jener vielen Geschichten, in denen Jesus – vor allem bei Markus – als “Wunderheiler” gezeigt wird.

Mich persönlich haben die Geschichten über die Wunder des Jesus immer gelangweilt. An ein “Wunder” zu glauben, ist das Einfachste der Welt. Ein Blinder kommt, wird geheilt und kann wieder sehen. Oh Wunder…! Im Nachhinein an ein Wunder zu glauben, ist nicht nur sehr einfach, sondern noch dazu feig. An ein vollbrachtes Wunder zu “glauben” ist feig, weil man an ein solches gar nicht mehr “glauben” muss, ja gar nicht mehr “glauben” kann, weil es ohnehin jeder sieht. An ein Wunder im Nachhinein zu glauben, ist demzufolge nur geheuchelt, in Wirklichkeit pervers.

So geht es mir mit dieser “großen Menschenmenge”, die Jesus – auch in dieser Geschichte in Jericho (Mk 10,46) – folgt: die Gefolgschaft Jesu, seine Jünger, seine “Kirche”. Warum folgen sie ihm?

Warum auch immer sie ihm folgen, aus Neugierde, Opportunismus, Tradition oder innerer Überzeugung, wirklich verstanden haben können sie ihn nicht. Denn “als Bartimäus hörte, dass Jesus von Nazareth in der Nähe war, begann er zu schreien: “Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!” Und was passiert daraufhin? Wie reagieren “die Leute”? “Sei still!”, fuhren die Leute ihn an.” (Mk 10,47f)

“Sei still!”, fuhren die Leute ihn an. Die typische Reaktion “der Leute”, wenn jemand stört. Doch “als Jesus ihn hörte, blieb er stehen und sagte: “Sagt ihm, er soll herkommen.” Da riefen sie den blinden Mann. “Nur Mut”, sagten sie. “Komm, er ruft dich!” (Mk 10,49)

Aha. Zuerst fahren ihn “die Leute” an “Sei still!”, um ihm danach zuzurufen “Nur Mut!” Nur weil ihr Heiland in der Zwischenzeit gemeint hat “Sagt ihm, er soll herkommen.” Und danach wird der blinde Bettler von Jesus geheilt.

Opportunistenpack! Allesamt opportunistische Heuchler, diese “Leute, die ihm folgten”. Entweder erkennt man das Wunder davor oder eben erst danach. Entweder man “glaubt”, oder man heuchelt “den Glauben”. Der blinde Bartimäus glaubt, die Jesus folgenden “Leute” heucheln den “Glauben”. Das macht den entscheidenden Unterschied. Erst durch den wirklichen Glauben des blinden Bartimäus wird das Wunder des Jesus überhaupt möglich.

Und wie hat Bartimäus dieses “Wunder” ausgelöst? Was hat er dazu beigetragen? Was hat er in der Zwischenzeit gemacht? “Er schrie nur noch lauter: “Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!”” (Mk 10,48) Er hat “nur noch lauter” geschrien. Er hat das Gegenteil dessen gemacht, was “die Leute” von ihm verlangten. Er ist – ganz im Gegenteil – seinem eigenen “Glauben”, seiner eigenen Überzeugung gefolgt, völlig unabhängig von “den Leuten”, völlig unabhängig von “der großen Menschenmenge”, die Jesus und seinen Jüngern folgte.

Bartimäus hat “nur noch lauter” geschrien, er hat nur noch mehr gestört. Er hat das Gegenteil gemacht, was “die Leute” von ihm verlangten. Er ist seinem eigenen Glauben gefolgt. Ganz unabhängig von der Reaktion “der Leute”. Erst dadurch wurde das “Wunder” des Jesus möglich.

DANACH seinen Mantel wegwerfen kann jeder…

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