Novitschok in Österreich

Als die Freiheitliche Partei bei den Wahlen zum österreichischen Parlament im Oktober 1999 den zweiten Platz erreichte, hatte er die Demonstrationen gegen die drohende nationalpopulistische Koalitionsregierung initiiert. Diese Proteste wurden unter dem Motto “Keine Koalition mit dem Rassismus” die größten Kundgebungen in der Geschichte des Landes. Kurz nach der Übernahme der neuen Regierung demonstrierten mehr als 300.000 Menschen auf dem Wiener Heldenplatz. Es war die größte Menschenmenge, die sich je auf diesem Platz versammelt hatte.

Er war zu diesem Zeitpunkt bereits weggesperrt. Am 10. Dezember 1999, dem Tag der Menschenrechte, hatte er den Obmann der Freiheitlichen Partei mit der Frage konfrontieren wollen: “Braucht Jörg Haider minderjährige Strichjungen?” Am Tag zuvor wurde er weggesperrt.

In seinem Land war kurz vorher der “Große Lauschangriff” eingeführt worden, die elektronische Überwachung bestimmter Personen. Um diesem zu entkommen, hatte er kurz vor dem 10. Dezember seine mobilen Geräte in seiner Wiener Wohnung gelassen. Dann begab er sich aus familiären Gründen nach Linz. Er übernachtete, ohne dass jemand davon wusste, in einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Als er sich dort am Morgen des 9. Dezember zum Frühstück begeben wollte, raunte ihm die Rezeptionistin im Vorbeigehen zu: “Die Staatspolizei ist im Haus.” In der darauffolgenden Nacht wurde er von dieser in die geschlossene Abteilung der Linzer Psychiatrie verbracht.

Kein einziger Arzt hatte ihn begutachtet.

Österreich braucht kein Novitschok. Österreich hat andere Methoden.

Für Angela Merkel

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