Der Start zu neuen Ufern

“Generell muss gesagt werden, dass wir in Folge der Situation einen Aufbruch zu neuen Ufern brauchen, nämlich ein Umdenken und ein Verlassen gewohnter Bahnen.”

Dies ist der Schluss des Gastkommentars von Erhard Busek im Wiener “Kurier” mit dem Titel “Investitionen nach Corona“. Beginnen wir also mit diesem Umdenken:

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Wenn Erhard Busek von “Investitionen” schreibt, dann verstehen wir alle darunter inzwischen “Geld”. Worin wollen wir unser “Geld” investieren? Seit einem halben Jahrtausend haben wir uns angewöhnt, unser Selbst-Bewusstsein durch unseren “Beruf” zu definieren. Unser “Beruf” gibt uns unseren (gesellschaftlichen) Wert. Dieser “Beruf” wird durch unsere “Arbeit” geschaffen, welche uns somit diesen Wert verleiht. Durch unsere “Arbeit” verdienen wir unser “Geld”, das wir für unser (Über)Leben brauchen.

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Was sind wir wert? Für das (Über)Leben von ein paar Menschen, “die ohnehin gestorben wären” (Zitat des “grünen” Oberbürgermeisters von Freiburg im Breisgau) stand für eine geraume Zeit lang die gesamte “Wirtschaft” unserer Welt still. Nun meldet sich “die Wirtschaft” zu Wort und will wieder “aufsperren”. Zu welchem Preis?

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. “Wer einen einzigen Menschen rettet, der rettet die ganze Welt,” heißt es im Talmud. Zu welchem “Preis” wollen wir diesen Menschen retten? Wir haben, mathematisch betrachtet, genau zwei Möglichkeiten: Um jeden Preis – oder um keinen Preis der Welt. Was ist uns ein Menschenleben wert? Alles? Oder nichts?

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Definiert sich der “Wert” eines Menschen durch seine “Arbeitsleistung”? Oder definiert sich der “Wert” eines Menschen durch das Leben an sich? Im Nationalsozialismus und im Kapitalismus definierte sich der “Wert” des Menschen durch seine “Leistung”. Ohne “Leistung” war das Leben nichts “wert”. Die Minder-Leister wurden euthanasiert oder wegrationalisiert.

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Eine kurze Zeit lang schützten wir das Leben jedes Menschen, “koste es, was es wolle” (Zitat des “türkisen” Bundeskanzlers der Republik Österreich). Eine kurze Zeit lang stand “die Wirtschaft” still. Eine kurze Zeit lang wurde keine “Leistung” mehr vollbracht, kein “Geld” mehr “verdient” – abgesehen von den notwendigen Dienst-Leistungen. Interessanterweise waren diese notwendigen Dienst-Leistungen jene, mit denen die Menschen wenig “Geld” verdienten.

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Eine kurze Zeit lang haben wir jeden Menschen gerettet, um jeden Preis. Eine kurze Zeit lang war uns jeder Mensch jeden Preis wert.

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Was lernen wir daraus? Was wollen wir “bezahlen”? “Bezahlen” wir “Leistung” oder “bezahlen” wir das Leben selbst? Bezahlen wir das Leben mit unserer Leistung – oder bezahlen wir die Leistung mit unserem Leben?

Corona wird die Weggabelung gewesen sein. Was sind wir uns wert? Und warum? Bewerten wir unser Leben bedingungslos? Be-zahlen wir unser (Über)Leben bedingungslos? Schaffen wir ein Ein-Kommen für unser Aus-Kommen? Bedingungslos? Oder rationalisieren wir uns alle weg?

Corona wird die Weggabelung gewesen sein.

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