Coronavirus: Die Wirtschaft

In der Corona-Krise wird es wieder deutlich: Die meisten Menschen haben Angst um “die Wirtschaft”. Und die wenigsten Menschen haben eine Ahnung davon, was “die Wirtschaft” sein soll. Sie glauben jedenfalls fest, dass “die Wirtschaft” etwas mit “Geld” zu tun hat. Und in diesem Irrglauben werden sie erpressbar.

Die schönste Definition von “Wirtschaft” stammt von Ludwig von Mises: “Ökonomie ist die Lehre vom menschlichen Handeln.” Es geht in “der Wirtschaft” also NICHT um “Geld”, es geht um das Handeln von uns Menschen.

Genau an diesem Denkfehler ist Marx und der Marxismus gescheitert, genau an diesem Denkfehler scheitert jetzt gerade Hayek und der Neoliberalismus. Es geht eben nicht um “Geld” als Ursache unserer (Un)freiheit. Es geht um etwas grundsätzlich anderes.

Was ist das? Die Vereinten Nationen haben es unmittelbar nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und der Shoah zu fassen versucht: “Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren,” heißt der erste Satz der “Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte”. Dieser Satz wäre in der Logik des “Geldes” komplett sinnlos – und ist dennoch die Grundlage von allem. Es geht eben um genau das, was diese “Würde des Menschen” garantiert. Das ist weit jenseits von allem “Geld”. Sowohl der Marxismus als auch der Neoliberalismus haben darin in ihrem Streben nach “Geld” katastrophal versagt. Es geht um genau dieses Andere. Und das bewahrheitet sich jetzt.

Als ich 1991 erstmals als Entwicklungshelfer nach Südamerika kam, da war der Kontinent nach zehn Jahren “neoliberaler” Reaganomics unterjocht. Hyperinflation, Massenarmut und massenhaft Cholera-Tote waren damals die Folge. Bei meinem letzten Aufenthalt vor zwei Jahren standen Armut und Umweltzerstörung (die Vergewaltigung von Mensch und Natur) aufgrund der “neoliberalen” Spekulation auf Lebensmittel samt Dollarbindung auf ihrem Höhepunkt. Jetzt trifft die “Wirtschaftskrise” plötzlich uns selbst, die sogenannte “Erste” Welt der permanenten (blüten)weißen Profiteure.

“Jeder Mensch, der heute auf der Welt verhungert, wird ermordet,” sagt Jean Ziegler. Bisher betraf das nur Gebiete weit weg von uns, in der sogenannten “Dritten Welt”. Jetzt plötzlich beginnt die höllische Fratze des “Geldes” auch bei uns sichtbar zu werden. Und jetzt, plötzlich, bekommen es auch die Reichsten der Reichen mit der Angst zu tun.

“Habt keine Angst!” übersetzt Johannes Paul II das “Fürchtet Euch nicht!” des Weihnachtsevangeliums. Wovor haben wir eigentlich Angst? Nichts mehr zum Essen zu haben? Keine geliebten Menschen mehr um uns zu haben? In Einsamkeit sterben zu müssen? Wovor haben wir Angst?

Vielleicht beginnen jetzt ein paar Menschen über ein Bedingungsloses Grundeinkommen nachzudenken…

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