
Liebe Eva!
Ich lese auf Facebook, dass Du die Winterzeitumstellung für “vollkommen schwachsinnig” hältst. Das verstehe ich, aus der Wiener Perspektive ist das ziemlich klar. Es gibt nur leider (wie immer) nicht nur die persönliche Froschperspektive, sondern auch eine andere. Also, gut:
Die mitteleuropäische Zeitzone reicht von der Ostgrenze der Slowakei bis zur Westgrenze Spaniens. Das bedeutet, wir haben von der Grenze zur Ukraine bis zum Atlantik dieselbe Zeit. Rechne Dir mal aus, was das für den Sonnenstand bedeutet. Während eine Familie in Košice zu Abend isst, könnte eine Familie in La Coruña fast noch frühstücken! Rechne Dir mal die verschiedenen Sonnenauf- und -untergänge aus! Heute beispielsweise geht die Sonne in Košice um 16:10 Uhr unter und in La Coruña um 18:20 Uhr. Das sind mehr als 2 Stunden(!), die über Helligkeit und Dunkelheit entscheiden!
Die geographische Lösung, um eine Zeitumstellung nicht mehr notwendig zu machen, wäre sehr einfach: Man müsste die Grenze zur Westeuropäischen Zeit zwischen Deutschland-Schweiz-Italien und BeNeLux-Frankreich einziehen. Das ist jedoch unmöglich, weil gerade dies die am dichtesten verbundenen Gebiete der Welt sind. In Amsterdam-Luxemburg-Straßburg-Nizza wäre es dann eine Stunde später als in Hamburg-Köln-Basel-Genua. Das ist völlig undenkbar, für alle Menschen, die dort leben.
Diese Probleme der “Zeit” hat man an vielen “Orten” der Welt. Die geographisch wahre Lösung wäre es, den Null-Merdian nicht durch London-Greenwich, sondern durch Rom zu ziehen. Damit wären weltweit ziemlich viele Probleme gelöst, nicht unbedingt jedoch das Problem der Grenzen in Europa. Für die politische Lösung werden wir daher noch ein bisschen warten müssen. Inzwischen müssen wir damit leben, dass meine Freundin Eva wütend ist und die Protestparteien “Europa” Versagen vorwerfen.
Wir haben mittelfristig zwei Lösungen: Entweder wir zerstören alles und bauen es danach wieder neu auf, oder wir leben mit den Unvollkommenheiten dieser Welt und nehmen ein paar Nachteile in Kauf, um hier auf diesem Planeten leben zu dürfen. Ich fürchte, die Menschheit entscheidet sich gerade für die erste Lösung.
Soweit aus der Perspektive des Adlers. Ich wünsche einen guten Morgen!
Peter
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