Das Coronavirus stellt uns alle auf eine harte Probe. Wir werden mit Problemen konfrontiert, die wir uns bis vor Kurzem noch nicht vorstellen konnten. Dadurch radikalisiert sich unser Denken und unser Empfinden. Und wir finden uns plötzlich in völlig ungewohnten und unpassenden Schubladen wieder.
Angesichts der Maßnahmen gegen das Coronavirus scheint es nur noch zwei Entscheidungen zu geben: Dafür oder dagegen? Weiß oder Schwarz? Eiskalte Berechnung oder blinde Wut? In Österreich heißt das: Sebastian Kurz oder Herbert Kickl?
Was kann man als Österreicher machen, wenn man mit den Maßnahmen der Regierung unter Sebastian Kurz nicht einverstanden ist? Muss man sich deswegen gleich der Truppe um Herbert Kickl anschließen?
Und was kann man als Österreicher machen, wenn man die Freiheitlichen um Herbert Kickl für Vollpfosten hält? Muss man sich deswegen gleich mit der Truppe um Sebastian Kurz solidarisieren?
Die USA standen vor vier Jahren vor einer ähnlichen Entscheidung: Hillary Clinton oder Donald Trump? Eiskalte Berechnung oder blinde Wut? Die Entscheidung war grausam, weil sie in jedem Fall nur falsch sein konnte. Musste man wirklich Donald Trump wählen, wenn man mit der Politik von Hillary Clinton nicht einverstanden war?
Weiß oder Schwarz? Warum eigentlich? Es gibt Millionen von Farben dazwischen.
Corona stellt uns in Österreich scheinbar vor dieselbe Entscheidung: Weiß oder Schwarz? Dafür oder dagegen? Sebastian Kurz oder Herbert Kickl? Berechnender Kopf oder Wut im Bauch? Das Herz verliert in jedem Fall.
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