Was ist „Glaube”?

Als die Jünger mit Jesus allein waren, wandten sie sich an ihn und fragten: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.
Matthäus 17,19f

Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.
Paulus: Hebräer 11,1

Glaube bedeutet, zu glauben, was man noch nicht sieht; die Belohnung für diesen Glauben besteht darin, zu sehen, was man glaubt.
Augustinus: De vera religione

Die wahnhafte Störung ist eine Störung charakterisiert durch die Entwicklung eines einzelnen Wahns oder mehrerer aufeinander bezogener Wahninhalte, die im Allgemeinen lange, manchmal lebenslang, andauern. Der Inhalt des Wahns oder des Wahnsystems ist sehr unterschiedlich.
WHO: ICD-10 F22.0: Wahnhafte Störung

Die paranoide Schizophrenie ist durch beständige, häufig paranoide Wahnvorstellungen gekennzeichnet, meist begleitet von akustischen Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen.
WHO: ICD-10 F20.0: Paranoide Schizophrenie

Die Apokalypse von Wien

(Wien-Penzing, Baumgartner Höhe, Psychiatrisches Zentrum Otto-Wagner-Spital. Ein Zimmer, in der Mitte ein Tisch mit Stühlen. Hinter dem Tisch sitzen zwei Ärzte. Es ist Sonntag, früher Abend.)

(Die Türe geht auf, zwei Pfleger bringen einen Mann herein.)

Oberarzt: „Guten Abend, bitte setzen Sie sich.“

(Der Mann setzt sich.)

Assistenzarzt: „Wie heißen Sie?“

Mann: „Ich bin Euer Bruder Johannes, der wie Ihr bedrängt ist, der mit Euch an der Königsherrschaft teilhat und mit Euch in Jesus standhaft ausharrt.“

Oberarzt: „Was haben Sie da in der Hand?“

Mann: „Das ist die Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, damit er seinen Knechten sagt, was bald geschehen muss.“

Assistenzarzt: „Woher haben Sie das?“

Mann: „Er hat es durch einen Engel, den er sandte, seinem Knecht Johannes gezeigt.“

Oberarzt: „Und was wollen Sie damit?“

Mann (zeigt auf sich): „Dieser hat das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu bezeugt: alles, was er geschaut hat. Selig, wer diese prophetischen Worte vorliest und wer sie hört und wer sich an das hält, was geschrieben ist.“

Assistenzarzt: „Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“

Mann: „Die Zeit ist nahe.“

Assistenzarzt (zum Oberarzt): „Zeitlich desorientiert?“

Oberarzt (zum Assistenzarzt): „Zeitlich desorientiert.“

Assistenzarzt: „Wissen Sie, wo wir hier sind? Können Sie mir sagen, woher Sie kommen?“

Mann: „Ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.“

Assistenzarzt (zum Oberarzt): „Örtlich desorientiert?“

Oberarzt (zum Assistenzarzt): „Örtlich desorientiert.“

Assistenzarzt: „Können Sie mir sagen, was passiert ist?“

Mann: „Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.“

Assistenzarzt: „Sie hören also Stimmen. Was hat diese Stimme zu Ihnen gesagt?“

Mann: „Sie sprach: Schreib das, was Du siehst in ein Buch und schicke es an die sieben Gemeinden: nach Ephesos, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea.“

Assistenzarzt (zum Oberarzt): „Manie mit psychotischen Symptomen?“

Oberarzt (zum Assistenzarzt): „Paranoide Schizophrenie.“

Assistenzarzt: „Und was haben Sie gemacht?“

Mann: „Ich wandte mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach.“

Assistenzarzt: „Und was ist dann passiert?“

Mann: „Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah.“

Assistenzarzt (zum Oberarzt): „Risperidon?“

Oberarzt (zum Assistenzarzt): „Diazepam.“

Mann: „Er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte, und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.“

Assistenzarzt (zum Oberarzt): „Oral?“

Oberarzt (zum Assistenzarzt): „Venflon.“

Mann: „Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle, leuchtend weiß wie Schnee, und seine Augen wie Feuerflammen; seine Beine glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht, und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen.“

Assistenzarzt (zum Oberarzt): „Selbstgefährdung?“

Oberarzt (zum Assistenzarzt): „Selbstgefährdung.“

(Der Oberarzt gibt den beiden Pflegern ein Zeichen. Die beiden Pfleger nehmen den Mann in ihre Mitte und führen ihn ins Nebenzimmer.)

Mann (zum zweiten Pfleger): „In seiner Rechten hielt er sieben Sterne und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert und sein Gesicht leuchtete wie machtvoll strahlende Sonne.“

(Die beiden Pfleger ziehen den Mann aus und legen ihn auf ein Bett.)

Mann (zum zweiten Pfleger): „Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte Dich nicht! ich bin der erste und der letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.“

(Die beiden Pfleger halten den Mann fest. Der Assistenzarzt sticht ein Venflon in den linken Arm des Mannes.)

Mann (zum zweiten Pfleger): „Schreib auf, was Du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird!“

(Der Oberarzt befestigt eine Infusion.)

Mann (zum zweiten Pfleger): „Der geheimnisvolle Sinn der sieben Sterne, die Du auf meiner rechten Hand gesehen hast, und der sieben goldenen Leuchter ist: Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.“

(Der Oberarzt nimmt dem Mann das Manuskript aus seiner rechten Hand.)

Mann (zum Oberarzt): „Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht.“

(Der Oberarzt übergibt das Manuskript an den Assistenzarzt.)

Mann (zum Assistenzarzt): „Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht.“

(Die Ärzte und Pfleger verlassen das Zimmer. Der Oberarzt löscht das Licht.)

Mann: „Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. – Amen, komm, Herr Jesus! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“

(Der Mann schläft langsam ein.)

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Alle Zitate des Mannes sind aus dem letzten Buch der Bibel, „Die Apokalypse des Johannes“, Einleitung (Kapitel 1) und Schluss (Kapitel 22, Vers 18-21).

Die Apokalypse von Wien (3 Seiten PDF):

peterwurm.wordpress.com

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