Das Paradoxon der Liebe

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den wolkenverhangenen Sommerhimmel. Vor kurzem war er mit Freunden unterwegs gewesen. Bis spät in die Nacht saßen sie in einem kleinen Lokal und sinnierten über das Leben.

Einer der Gäste hatte zwei kleine Hunde dabei, auf die er aufpasste, während ihre Besitzer auf Urlaub waren. Und so kam sein Freund, der junge Bankenanwalt, während er die kleinen Hunde streichelte, auf den Sinn des Lebens zu sprechen.

“Weißt Du, ich liebe Hunde. Ich liebe ihr Wesen, ihren Charakter, ihre Treue, ihre Zuneigung und ihre Zutraulichkeit. Am liebsten hätte ich selber welche. Aber es ist in meinem Fall unmöglich. Ich verlasse die Wohnung zeitig in der Früh, um in die Arbeit zu gehen und komme oft spät am Abend erst wieder nach Hause zurück. Die Hunde müssten jeden Tag in dieser Stadtwohnung bleiben, meist ohne Auslauf. Einzig am Wochenende hätte ich Zeit, mit ihnen ausgiebig spazieren zu gehen und mit ihnen durch die Wälder zu laufen. Daher ist es das einzige Zeichen meiner Liebe zu ihnen, selbst keine zu haben.”

Slupetzky lächelte still in sich hinein. Das größte Zeichen der Liebe wäre es also, sie nicht auszuüben. Viel besser konnte man das Grundproblem dieser Welt wohl nicht zusammenfassen. Er betrachtete die kleinen Hunde und er betrachtete seinen Freund. Und er schwieg.

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