die frage der zukunft

erste group bank
herrn andreas treichl, ceo
am belvedere 1
at-1100 wien

wien, 02.12.2019

sehr geehrter herr treichl!

danke für ihr kluges interview im “standard”. ich halte sie nicht für “zu blöd und zu feig” für eine auseinandersetzung, wie sie unsere politiker auf dem höhepunkt der finanzkrise einmal bezeichnet haben. daher möchte ich ihnen grundsätzlich widersprechen. die “vermögensschere” öffnet sich durch den nullzins NICHT immer mehr. ganz im gegenteil.

theoretisch ist die lage sonnenklar: wenn der preis des geldes, der zins, entfällt, dann vermehren sich geldvermögen nicht länger von selbst. bei einem negativzins wird der besitz von geld sogar bestraft – je größer, desto höher. das heißt, dass sich die “vermögensschere” selbstverständlich schließt.

damit stellt sich die frage, was das für die praxis heißt – und da beginnt die spannende wirtschaftspolitische diskussion. klarerweise steigt bei einem nullzins der wert alternativer anlageformen, je langfristiger, desto mehr: immobilien. und genau vor diesem phänomen stehen wir derzeit. wie wollen wir mit den steigenden preisen für grund und boden umgehen? was machen wir mit dem menschlichen grundbedürfnis auf wohnraum?

die antwort scheint mir zwingend logisch: da bei einem negativzins die aufnahme von schulden belohnt wird, nimmt die öffentliche hand so viele schulden wie möglich auf, um wohnraum zu finanzieren. gleichzeitig zahlt sie dabei aufgrund der minuszinsen sogar schulden zurück.

in welcher form dies geschieht, direkt als öffentliches eigentum, indirekt mittels genossenschaften oder über die finanzierung von privaten, wird im detail jeweils politisch zu verhandeln sein. sicher ist nur, dass dies die entscheidende politische frage der verteilung wird. in zukunft wird es nicht länger um abstraktes “geld” gehen, sondern um konkreten “raum”. (und die entscheidende ressource dabei wird nicht länger erdöl sein, sondern wasser.) welche rolle die privaten banken dabei spielen werden, wird von der klugheit und dem mut ihres jeweiligen managements abhängen.

hochachtungsvoll

peter wurm

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