ein land gibt sich auf

herrn herausgeber
armin thurnher
falter
marc-aurel-straße 9
at-1010 wien

sehr geehrter herr thurnher!

sie beschreiben in ihrem dieswöchigen leitartikel die denkwürdigen zustände in unserem land. „was sagt der strafende gott dazu?“ fragen sie zum abschluss an meinem wolkenlosen mittwochmorgen, einen tag vor unserem himmelblauen fronleichnam.

der strafende gott wird entscheiden. blöderweise nicht jetzt und hier, sondern erst dann und dort, irgendwann später im himmel, dafür für immer und ewig.

dem diesbezüglich ungeduldigen erdenbürger sei eines geweissagt: der strafende gott wird sich schon früher erkenntlich zeigen, am 29. september, dem ersten ersten tag der woche im zeichen der umfassenden gerechtigkeit, der waage:

der heilige basti wird wieder kanzler, die selige philippa tierschutzministerin, ihr unglückseliger gatte bumsti von faserschmeichler gerwald n. hofer, dem bekennenden nicht-unmenschen, bereits als vizebürgermeister von ludwigs gnaden aufgebaut. „nichts und niemand wird uns aufhalten“, verspricht er lieblich lächelnd, sonst gibt’s was mit dem stock! sich wundern bleibt erlaubt. sind wenigstens die zähne echt? „ihr werdet noch an mich denken, liebe freunde!“

das volk wird rundum weichgespült, ibiza im schongang vergessen, wir waren das erste opfer! „wo ist dein bruder abel?“ das ausland war es, herr! das kainsmal trägt man daher hier treudeutsch an der backe, die stirn taugt nicht dafür. ausländer raus, inländer rein! so geht es zu in österreich, unserer „ideologischen missgeburt“. herbert der illegale sorgt höchstpersönlich als altreicher polizeiminister mit goldgrubers rechter hand und schicker brille für die konzentrierte exekution. warum sollte es dabei mit rechten dingen zugehen? der pfusch ist ein meister aus österreich, die freunderlwirtschaft auch. „kunst kommt von können“, sagt goebbels. politik nicht.

waffengebrauch ist freilich gar nicht mehr notwendig, heutzutage genügt „körperkraft“, von der geisteskraft des polizeigenerals lepuschitz ganz zu schweigen. der polizist von morgen schlägt zu wie das tapfere schneiderlein, einen berufsdemonstranten mit sieben streichen. dieser darf sich glücklich schätzen, den autoreifen des begleitfahrzeugs nicht unabsichtlich über die birne gefahren zu bekommen.

„justizskandal“, werden sie daraufhin zu recht titeln. nur wird es niemand mehr lesen. denn wir alle werden uns im „einreisezentrum“ wiederfinden. es wird sich weder in wöllersdorf noch in mauthausen befinden, sondern in drasenhofen. dort ist der stacheldraht noch frisch und außerdem teuer bezahlt worden, mitsamt gemütlichem waldhaeusl.

da lässt’s sich die sicherungsschutzhaft trefflich absitzen bis zum süßlich-warmen ende, hier im nordosten des schönen niederösterreich, knapp südwestlich vom lieblichen birkenau, dein goldenes haar margarete…

„die hölle sind immer die anderen“, meint sartre zurecht. es muss ihm in der sommerfrische eingefallen sein, irgendwo eingepfercht zwischen boden- und neusiedlersee. dort ist man stolz auf sein land, weil die landschaft so schön ist. worauf sonst?

„klerikalfaschistisches trottelvolk“, mag sich der herrgott über unser zuckersüßes land denken, „es reut mich, euch erschaffen zu haben.“ vergib uns, himmelvater, denn wir wissen wirklich nicht, was wir tun.

gott zum gruß

peter wurm

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