Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten.

Frau Vorsitzende
Dr. Joy Pamela Rendi-Wagner
Sozialdemokratische Partei Österreichs
Löwelstraße 18
AT-1010 Wien

Wien, 24.02.2019

Sehr verehrte Frau Doktor, liebe Pam!

Heute ist der 215,0328542094455852. Todestag Immanuel Kants. Anlässlich dessen habe ich beschlossen, Ihnen zu schreiben. Und es ist Sonntag.

Selbstverständlich kenne ich Ihre politische Laufbahn und selbstverständlich Ihre persönliche Vergangenheit. Und vorausgeschickt sei weiters, dass ich die SPÖ noch niemals in meinem Leben gewählt habe. (Bei der letzten Wahl zum Bundespräsidenten habe ich mich zwar im ersten Wahlgang für Rudolf Hundstorfer entschieden, das gilt jedoch in diesem Zusammenhang – um es fußballerisch auszudrücken – höchstens als Stangenschuss.)

Vielleicht macht dieses Beispiel deutlich, in welchem Dilemma die Sozialdemokraten europaweit stecken. Man mag sie, aber man wählt sie nicht – zumindest gilt das für den allergrößten Teil der Bevölkerung, sowohl in Österreich, als auch in Europa.

Insofern sind die Sozialdemokraten das genaue Gegenteil der sogenannten „Rechtspopulisten“: Jene werden fanatisch gefeiert – oder gehasst. Zwischentöne gibt es in Bezug auf die „Rechtspopulisten“ nicht. Die Sozialdemokraten sind das genaue Gegenteil: Sie sind eine „Partei“ der Zwischentöne, die Inkorporation des ewigen Kompromisses.

Das ist das Problem. „Niemand verliebt sich in einen Kompromiss“, hat irgendein kluger Mensch irgendwann einmal gesagt. Niemand brennt für einen Kompromiss, niemand lebt für einen Kompromiss, und niemand stirbt für einen Kompromiss. Ist das wahr?

Gerade jetzt kommt mir das KZ Mauthausen in den Sinn, der Block der ehemaligen „Schreibstube“ dort, in dem der Sozialdemokratische „Schutzbundführer“ Richard Bernaschek zu Tode gefoltert wurde. Und das am 18. April 1945, weniger als ein Monat vor Kriegsende. Es gibt also doch Menschen, die für den Kompromiss gestorben sind. Ist Bernaschek für einen Kompromiss gestorben?

Nein. Bernaschek ist für eine Idee gestorben. Was war die Idee? Was war die Idee der Sozialdemokratie, liebe Pam? Was ist Ihre Idee der Sozialdemokratie?

Lassen Sie mich philosophisch fragen: Wenn Hegel für die „Rechte“ Seite des Gehirns gestanden ist und Marx für die „Linke“, wofür stehen Sie? Die „Rechtspopulisten“ stehen für den Praefrontalen Cortex, „The Gestapo of your Brain“, wie es in einem klugen Text heißt. Die „Rechtspopulisten“ stehen für die totalitäre Kontrolle. Und wofür stehen Sie?

Vergessen Sie „Links“ gegen „Rechts“. Das ist ein vergangenes Konzept für Volltrottel. Das war hilfreich für die Erben Kants. Wir dagegen sind keine Erben Kants, wir sind die Erben Adolf Hitlers.

Wir haben – anders als Adolf Hitler – 2 Hoden und 2 Eierstöcke, jeweils einen „linken“ und einen „rechten“. Was also soll dieser Kampf? Wenn die Neofaschisten die Prostata sind, was sind dann Sie?

Wissen Sie, was ich mir von Ihnen wünsche an diesem Heiligen Sonntag zwei Jahrhunderte nach Kant? Ich wünsche mir nur Eines: Gebären Sie doch bitte für uns und unsere Nachfahren die zukünftige Idee der vergangenen „Sozialdemokratie“ im Uterus Ihres Hypothalamus. Die Geschichte wird es Ihnen danken.

Alles Liebe

Peter Wurm

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